Sonntag, November 19, 2006

Kennst du noch Piroska?

Nein zu uns kommt weder Liselotte Pulver noch Rotkäppchen.

Ungarn, das Land der Magyaren (magyarorszag). Das ist Akazienhonig, Paprika, Puszta, Zigeunermusik, Csárda und Csárdás , magyar nyelv, China (? *grins) und natürlich Gulasch.

Eigentlich heißt Gulyás Hirte und da die Hirten in der ungarischen Steppe sich ihr Fleisch/hús, das sie nicht verkaufen konnten oder das eines verendenden Rindes, in einem Feuerkessel mit viel Paprika als Suppe koch(t)en - da die „Schärfe“ es besser verdauen lässt und den Geschmack des ganzen Gerichts überdeckt, es ist ja nicht gerade das beste Fleisch - wurde mit der Zeit aus diesem Gulyáshús in der Suppe das Gulyás/Gulasch/goulasch, das „wir“ kennen.

Unsere verwöhnten Gaumen und Mägen wären mit der ursprünglichen "Hirtenfleisch-Suppe"
glaube ich nicht so zufrieden.
Normalerweise mache ich Gulasch immer mit gewürfelter Rinder- und manchmal auch etwas Schweinelende mit enthäutet- und gewürfelten roten Paprikaschoten und Zwiebeln in Tomatensauce mit viel Paprika gewürzt und dazu Spätzle und/oder Salzkartoffeln. Das ist dann eher so eine Mischung von italienischer Peperonata mit ungarischen „Hirten“. Und das lasse ich dann gaaanz lange vor sich hin köcheln und gebe gegebenenfalls ab und an eine Tasse Wasser
hinzu.
Suppe, die mache ich allenfalls aus Resten davon und gebe dann noch Kartoffel-Viertel hinzu.

Im Internet habe ich aber bei
June Meyer ein Rezept gefunden, das dem meiner Oma am nahesten kommt. Überhaupt fühle ich mich bei allen Beschreibungen der Gerichte, ihrer Zutaten und den kleinen Randbemerkungen zurückversetzt in die Zeit als es meine Oma noch gab. Fast alles stimmt da überein.

(Ja, auf dem Teller fehlt der Sauerrahm und das superzarte
Fleisch habe ich leider etwas zu lange gekocht. -
War aber nur optisch negativ.)


Hier nun das Rezept:



1 kgRindfleischwürfel (ich nehme Rinderlende, in ca. 2,5 cm große Kuben gewürfelt. Heute gab
es „extra“ für mich die besten Lenden aus Neuseeland für 34,00 S$ statt 59,00 S$ per Kilo - "Eye Fillet, the most tender cut available, excellent from rare to well done". Den Fleischabfall bekommt wie immer die Katze; - Die Menge ist für 4 Personen ausreichend)
1 TeelSalz
2Zwiebeln, gehackt
2 EßlSchmalz/lard (das habe ich hier bisher noch nirgends gefunden, ich habe daher Butterschmalz/Ghee genommen)
2 Eßlungarische Paprika (ich nehme 4)
2Lorbeerblätter (die Blätter ob frisch oder getrocknet immer knicken oder einreißen, damit sie
ihr Öl freigeben)
1 l Wasser
4Kartoffeln, geschält und gewürfelt (ich habe 6 local potatoes genommen und sie in das zu verwendende Wasser gelegt, damit sie nicht braun werden)
¼ Teelschwarzer Pfeffer

Die Fleischwürfel mit einem ½ Teel. Salz bestreuen (damit die hydrophile Wirkung des Salzes zum Zuge kommt → Saftaustritt). Die Zwiebeln im Schmalz anbraten, Fleisch und Paprika zugeben. Das Ganze in seinem eigenen Saft bei schwacher Hitze 1 Stunde lang simmern lassen.
Wasser, Kartoffeln und restliches Salz zugeben. Abgedeckt simmern lassen bis die Kartoffeln und das Fleisch weich, bzw. mürbe sind.







Währenddessen den „Knödel“-Rührteig zubereiten aus:

1Ei

6 EßlMehl (die genaue Menge kommt aber darauf an, wie schwer das Ei ist)
1/8 TlSalz

Mehl und Salz zu dem ungeschlagenen Ei geben und gut vermengen. Eine ½ Stunde ruhen lassen, damit sich die Inkredenzien gut verbinden. Mit Hilfe eines Teelöffels in das Gulasch „fallen“ lassen. Abdecken und ziehen lassen bis die „Knödel“ an die Oberfläche steigen. (Diese „Knödel“ sind eine Art Knöpfle, die wiederum quasi kurze
Spätzle sind, ich mache diese immer als zusätzliche Einlage für eine gebundene Kartoffelsuppe.)

Heiß mit einem Klecks Sauerrahm servieren.


Gewürzt war uns das Gericht trotz, dass ich mehr Paprika verwendet habe, zu wenig. ein paar Chiliflocken oder eine mitgekochte kleine Chilischote wären perfekt gewesen.
Man könnte dieses Gulaschrezept noch durch geschälte, besser enthäutete rote Paprika und Tomaten in Würfeln, etwas Tomatenmark, fein gehackten Knoblauch und/oder ein wenig zerstoßenen Kümmel bereichern.


Das ist ein leckeres sättigendes Gericht und man hat es ohne viel Aufwand gemacht, es kocht ja quasi ganz von alleine und wird dabei immer besser.

In diesem Sinne jó étvágot